Das-Corona-Buch: Interview mit Mathias Scheben

 


„Fuck the Virus“ oder „Was kümmert mich Corona?“

 


Im Verlag Zeitenwende erschien im Herbst der Ratgeber „Das Corona Buch. Anregungen zum Weg aus einer irritierten Gesellschaft“. In diesem Gespräch mit Sven Henkler rät der Autor Mathias Scheben (Foto), sich von den Diskussionen um die Pandemie und deren Bekämpfung nicht ablenken zu lassen. Wen und was wir wirklich wichtig nehmen müssen, das seien wir selbst, meint er.


Herr Scheben, in Ihrem „Das Corona Buch“ betitelten Ratgeber versprechen Sie „Anregungen zum Weg aus einer irritierten Gesellschaft“. Nun wurde gerade ein zweiter strenger Lockdown verhängt. Nicht wenige Menschen sind da wohl nicht nur irritiert, sondern auch zunehmend verärgert und verängstigt. Manche gehen ja schon länger auf die Straße, um gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie zu protestieren. Hilft es da noch, macht es Sinn, ein Buch zu lesen?


Wer ohne entsprechende Ausbildung, ohne Sachkenntnisse und ohne Einfühlungsvermögen Corona leugnet oder die Bekämpfung der Pandemie kritisiert, verschwendet seine Kraft und seine Zeit, vernebelt sich im Zorn auf Unabwendbares den Verstand und schädigt am Ende vielleicht auch seine Seele. Also diskutiert mein Buch weder wissenschaftliche Erkenntnisse noch ergreift es Partei für politisches Tun und Unterlassen. Mir geht es darum, wie die Leserin und der Leser das Beste aus der ohne Zweifel katastrophalen aktuellen Situation das Beste machen – für ihr eigenes Wohl und Lebensglück und das ihrer Nächsten, in der Konsequenz auch für die Gesellschaft.


Die politischen Entscheidungsträger hatten Monate lang eine zweite Corona-Welle vor Augen – und Zeit, entsprechende Maßnahmen vorzubereiten, die Flut abzuflachen oder ganz zu verhindern. Soll man sich über diese Versäumnisse nicht aufregen?


Pandemie hat vorab niemand geübt, schon das war ein Fehler der politisch Verantwortlichen. Krankenhäuser wurden geschlossen, Bettenzahlen selbst in diesem Herbst noch reduziert, fehlendes Personal wurde nicht eingestellt. Viele kleine und größere Fehler wurden auch im Laufe der vergangenen Monate gemacht, Wissenschaft, Politik und Behörden haben dann ständig dazugelernt, auch nach dem Dilettantenprinzip Versuch und Irrtum. Wer das so sieht, kann sich so heftig aufregen wie er will, auch öffentlich.


Das klingt resigniert, oder?


Nein, alles gut, so lange es friedlich bleibt und weder Nazis noch Verschwörer sich einmischen. Die Kontroversen in den sozialen Medien und die Demonstrationen sind seit Monaten nicht zu übersehen und nicht zu überhören. Aber, abgesehen von der Frage, ob vor die Meinungsbildung nicht sinnvoller Weise seriöse Faktensammlung und objektive Wissensbildung gehören, abgesehen davon, dass zum Verstand Sachverstand gehört: Bieten die Corona-Leugner und Gegner der Pandemiebekämpfung sich selbst, ihren Angehörigen und der Gesellschaft mit ihrer Ablehnung und Verweigerung einen Nutzen?


Viele, die draußen ihren Ansichten freien Lauf lassen, werden das glauben.Das Corona-Buch


Anstatt das zu diskutieren, verweise ich auf den Inhalt des Buches. Es kümmert sich um derlei nicht, es rät vielmehr dazu, sich in dieser Krise um sich selbst zu kümmern, gut zu sein zu sich selbst, zu seiner Familie und zu allen, die der Leserschaft wichtig sind. Der Mittelpunkt meiner Interessen sind ich und die Meinen, muss es heißen. Dass die Besinnung auf sich und die Seinen ohne Schädigung der Gesellschaft vonstattengehen soll, versteht sich von selbst. Eher ist es doch so: Ist jeder mit sich selbst im Reinen, geht es der Gesellschaft gut.


Genau das ist eben nicht der Fall, wir leben uns immer weiter auseinander. Das liegt nicht nur am Pro und Contra Corona, sondern auch an den Unterschieden beim Ausgleich der finanziellen Nachteile für Firmen. Während Großunternehmen vom Staat reichlich durchfinanziert werden, beklagen der Mittelstand, Kleinunternehmer und Soloselbständige ihr Schicksal. Sehr viele bangen um ihre Existenz.


Vergessen wir die Kurzarbeiter nicht und die gekündigten Erwerbstätigen. Vor allem aus dem Niedriglohnsektor fallen die Menschen oft ins finanzielle Nichts. Aber auch diesen Menschen mag das Buch die eine oder andere Anregung anbieten. Sich aufzugeben, ist die schlechteste aller Lösungen – es ist gar keine Lösung. Jeder Mensch, auch der mit geringer fachlicher Ausbildung, kann der Gesellschaft Nutzen bieten, also Geld verdienen und sich die Zukunft neu gestalten. Niemand ist sich ein besserer Ersthelfer als man selbst.


Zugesagte Gelder werden erst irgendwann ausgezahlt, hoffentlich dann. Der Handel bleibt jetzt auf seinen Weihnachtswaren sitzen, die Gastronomen und Hoteliers, die alle in sorgfältig organisierte Hygienekonzepte investiert haben, schauen in die Röhre. Das sind nur Beispiele, das finanzielle und emotionale Elend nimmt überall seinen Lauf. Ihr Buch aber fordert, kurzgefasst, dazu auf, die Krise für sich zu nutzen, wie passt das zusammen?


Was Sie da an Problemen und individuellem Chaos ansprechen, ist Gegenstand intensiver wissenschaftlicher, politischer und ökonomischer Diskussionen. Ich bin weder Wissenschaftler noch Politiker. In meinem Berufsleben habe ich mich sehr viel mit den Faktoren persönlichen Erfolges befasst, auch mit Krisenkommunikation und Problemlösungstechniken. Aus der täglichen Beratungsarbeit für Unternehmen, Manager und Mitarbeiter sind im Laufe der Jahre Ratgeber für persönlichen und unternehmerischen Erfolg entstanden. Daran schließt der aktuelle Ratgeber „Das Corona-Buch“ nun an. Lassen wir die Verantwortlichen doch ihre Arbeit tun, und tun wir als Einzelpersonen, für uns selbst verantwortlich, unsere Arbeit. Werden wir Unternehmer in eigener Sache, unternehmen wir etwas!


Sie meinen, wir sollen die Politiker machen lassen nach dem Prinzip „Alles wird irgendwann gut“ und die Zeit bis dahin für uns selber nutzen?


Ich sage es mal so: Wer seine Zeit verplempert mit der andauernden Wiederholung der Darstellung von Kritik, Unverständnis, Wut und Protest, der wird nichts gewinnen. Es reicht doch, wenn man seine Meinung einmal gesagt hat, mit der Betonung auf einmal. Der Einzelne kann doch das, gegen das er da anschreibt oder anschreit, eh nicht verhindern. Kontrollieren kann jeder aber seinen eigenen Kopf, sein Planen, Tun und Lassen. Ich rate also dazu, der Irritation einfach den Rücken zu kehren, alles um sich herum zu entrümpeln, physisch und seelisch, im Bedarfsfall den Alltag neu zu strukturieren, dem vorübergehend Verunmöglichten nicht nachzuweinen, sich neu zu orientieren und die Schritte zum Ziel neu zu sortieren. 


Sie raten zu einem kühlen Kopf.


Sie haben Recht. Corona ist zwar nicht cool, aber der Verlag und ich hätten mein Buch „Fuck the Virus“ oder ähnlich deutlich betiteln können, meinetwegen auch „Was kümmert mich Corona?“. Im Ernst: Wenn ein bisher erfolgreicher Weg plötzlich verbaut ist, wäre es dumm, dauernd gegen die neu errichtete Wand anzurennen, oder davor niederzuknien und zu heulen oder zu beten. Zwei Meter nach links oder rechts auszuweichen und dann frei voranzuschreiten, das empfiehlt sich. Es ist auch niemandem geholfen, wenn er andauernd seine Schwächen zu mindern versucht. Nein, jeder muss sich um seine Stärken kümmern, und die weiter ausprägen. Dazu gibt das Buch auf seinen 169 Seiten reichlich Anregungen und Motivation.


In den ersten Monaten der Pandemie wagten Philosophen und Zukunftsforscher die These, nach Corona werde nichts mehr so sein wie vorher. Woran soll sich der Einzelne denn angesichts solcher verkündeten Ungewissheiten orientieren?


Also, die Erde wird weiter eine Kugel bleiben. Dass über die Pandemie nicht die Probleme, etwa die des Klimawandels, der weltweiten Verarmung und Hungersnot, der Überbevölkerung und der Vermüllung der Weltmeere vergessen werden, ist zu hoffen. Manche prophezeien sogar und geben Begründungen dafür an, dass diesen Zukunftsfragen mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden wird denn je. Wie auch immer: Der einzelne Mensch sollte sich zwar für Problemlösungen engagieren, aber nicht seinen Lebensweg an globalen Problemen ausrichten, sondern sich bei Planung und Durchführung an sich selbst orientieren: an seinen Möglichkeiten, an seinen Stärken, an seiner Motivation. Wer möchte ich in Zukunft sein, was möchte ich in Zukunft tun, warum möchte ich das – und wie tue ich das dann? Für die Besten ist überall Platz. Corona und die Begleitumstände sind schlimm, aber hinterm Horizont geht’s weiter. Für den, der will.


(veröffentlicht am 16.12.2020)