Seit Ende 2007 steht auf Wikipedia ein Artikel über mich, dessen „Entwicklung“ ich bis jetzt ohne weiteres Eingreifen beobachtete. Es war festzustellen, daß nur zwei „Benutzer“ versuchten, diesen Artikel objektiv und neutral zu gestalten. Doch Mitte November 2008 erreichten die Ausführungen ihren „Höhepunkt“: ich wurde als Holocaustleugner bezeichnet, mir wurde unterstellt, ich hätte ausdrücklich meine Sympathie zu Nationalsozialisten wie Alfred Rosenberg zum Ausdruck gebracht, ich würde mich für faschistische und rassistische Literatur interessieren.
Als einleitende Zusammenfassung für all jene, die nicht viel lesen möchten: nein, ich habe den Holocaust nicht geleugnet und sehe auch keine Veranlassung, dies zu tun, nein, ich bin kein Rechtsextremist, Rechtsintellektueller, Faschist, Nazi oder Rassist und ja, wir leben in einer Dogmenwelt (dieser Artikel auf Wikipedia zeigt es wieder ganz deutlich), deren Auflösung gut tun würde (deshalb auch ein von mir gewählter Buchtitel: „Ausbruch aus den Ideologien“).
Der Artikel über mich erinnert stark an die Worte von Eugen Roth:
„Ein Mensch, vertrauend auf ein klares
Gedächtnis, sagt getrost: ,So war es.’
Er ist ja selbst dabei gewesen.
Doch bald muß er es anders lesen.
Es wandeln sich doch unter Händen
Wahrheiten langsam zu Legenden.
Des eignen Glaubens nicht mehr froh,
fragt er sich zweifelnd: ,War es so?’
Bis schließlich überzeugt er spricht:
,Ich war dabei, so war es nicht!’“
Wer mehr über das zweifelhafte Dasein von Wikipedia sowie das zweifelhafte Wirken einiger Autoren und die widersinnigen und falschen Vorwürfe lesen möchte, sei herzlich eingeladen. Ich habe dann mit diesen Ausführungen meinen Beitrag „zur Aufklärung“ geleistet und werde darauf eingehende Kommentare auch nicht kommentieren, da mir der Sinn nach anderen Dingen steht und ich meine kostbare Zeit lieber mit wichtigen Dingen verbringen will, anstatt mich in sinnlose Diskussionen verstricken zu lassen.
Methoden von Wikipedia und die „Autoren“
Doch bevor ich zum Inhalt des Artikels, der schon von der Struktur (Überschriften etc.) her und journalistisch eine absolute Katastrophe ist, Stellung beziehe, sehe ich mich gezwungen, Kritik an Wikipedia und der dort herrschenden „Arbeitsweise“ zu üben. Es ist schon absurd, daß man sich für einen Artikel über sich rechtfertigen, zu diesem eine "Stellungnahme" abgeben muß (dies wurde in diversen Diskussionen auf Wikipedia sogar gefordert!). Als geborener DDR-Bürger ist es mir nicht unbekannt, daß man sich für seine (vermeintliche) Meinung rechtfertigen muß, doch dachte ich bisher, daß dies mit dem Ende einer Diktatur, wie die DDR eine war, ebenfalls vorbei ist. Falsch gedacht!
Der Ablauf auf Wikipedia war in meinem Fall folgender: Relevanzkriterien für die Aufnahme eines Artikels über mich waren meine Bücher und die Tatsache, daß ich im Verfassungsschutzbericht 2001 namentlich erwähnt worden war. Es wurden für den Artikel Beiträge aus einschlägigen linksextremistisch-antifaschistischen Informationsdiensten (die im übrigen seit Jahren sehr ausführlich im Verfassungsschutzbericht als verfassungsfeindlich dargestellt werden, was bei mir nicht der Fall war) hinzugezogen, um ein absurden Artikel zu konstruieren. Ein Artikel in einer Antifa-Zeitschrift, in dem behauptet wird, man sei ein Rechtsextremist und der vielleicht gar vom Wikipedia-Autor selbst stammt, ist kein Beweis für eine Enzyklopädie!
Meine erste Reaktion auf den Artikel war ein Löschantrag, der ausführlich begründet werden mußte. Eine parallel dazu per E-Mail eingereichte Beschwerde bei Wikipedia wurde nur lapidar vom „Support Team“ beantwortet mit der Aussage: „Ich habe mir den Vorgang eben angesehen und bin zu dem Schluss gekommen, dass Sie sicherlich emotional berührt sind. ...“ Das war’s, die Wikipedia-Betreiber waren in keinster Weise bemüht einzugreifen. Statt dessen wurde ich, nachdem ich anfangs - wie andere Leser auch - kleine Änderungen vorgenommen hatte, kurzer Hand als Benutzer gesperrt, obwohl sich sämtliche eingebrachten Ausführungen, die das Gegenteil von dem darstellten, was im Artikel behauptet wurde, belegen ließen! Die Ausführungen wurden natürlich zurückgestellt und der Artikel für einige Zeit für die Benutzung gesperrt bzw. eingeschränkt gesperrt, was bedeutet, daß nur registrierte Benutzer an dem Artikel arbeiten dürfen. Unterdessen ist es so, daß Änderungen erst von einem „befugten“ Autor (wer ist das eigentlich?) „gesichtet“ werden, bevor sie endgültig in den Text aufgenommen werden - das ist eben eine „freie“ Enzyklopädie.
Als Relevanzkriterium für eine Artikelaufnahme bei Wikipedia wurden immer wieder meine Bücher angeführt. Diese behandeln die Geschichte des Weihnachtsfestes, die Bedeutung von Tieren in der Mythologie, die mythologische Bedeutung des Wassers sowie das Wilde Heer, ebenso eine mythologische Gestalt. Auf meine Funktion als Buchautor wurde und wird in keinster Weise eingegangen, obwohl diese als Relevanzkriterium herangezogen wurde, da ich als Buchautor eine Person des öffentlichen Interesses sein soll. Offensichtlich nutzt man also willentlich mein Autorendasein, um einen diffamierenden Artikel auf Wikipedia zu veröffentlichen, warum auch immer. Was bezwecken die Wikipedia-Autoren mit diesem Artikel überhaupt, wenn nicht eine Verleumdung?
Zu den „Vorwürfen“
Holocaustleugnung: Die Aussage des Artikels (von Dezember 2007 bis November 2008) ist die, daß ich ein Rechtsextremist oder Rechtsintellektueller sei, der den Holocaust leugnet, der faschistische und rassistische Literatur bevorzugt und der „ausdrücklich“ seine Sympathie für Nationalsozialisten kundtat bzw. dies tut. Zu allererst: Die Leugnung des Holocaust ist eine Straftat, die nach deutschem Recht sogar mit Gefängnisstrafe belegt wird. Demnach bin ich nach Sicht von Wikipedia bzw. einiger dortiger Autoren ein Straftäter. Inzwischen wurde der Vorwurf der Holocaustleugung im Artikel zurückgestellt - nach Aussagen des Autors aber nur, bis Belege für meine angebliche Holocaustleugnung gefunden werden. Was hier vielleicht spaßig erscheint, ist allerdings eine sehr ernste Angelegenheit, denn jemanden als Straftäter darzustellen, obwohl er keiner ist, ist ebenso eine Straftat.
Doch zum Vorwurf: Dieser entbehrt jeder Grundlage, da ich einfach nie den Holocaust geleugnet habe. Man kann mir den Vorwurf machen, daß ich bis 2001 Artikel und zwei Bücher von Bernhard Schaub veröffentlicht habe. Nur: in seinen von mir verlegten Artikeln und Büchern ging es nie um den Holocaust bzw. dessen Leugnung, sondern es wurden gänzlich andere Themen behandelt. Doch warum habe ich von einem inzwischen als Holocaustleugner bekannten Menschen Artikel und Bücher veröffentlicht? Mir war damals natürlich bekannt, daß Bernhard Schaub geschichtliche Ereignisse kritisch und anders sieht, doch hielt mich dies nicht davon ab, zu gänzlich anderen Themen Geschriebenes von ihm zu veröffentlichen. In den inhaltlich und sprachlich ausgezeichneten Artikeln und dem Buch „Adler und Rose“ ging es ausschließlich um religiös-mythologische und geschichtliche (bspw. Gralsmythos) und auch biographische Themen (bspw. Julius Evola). Zudem gab es damals keine öffentlichen revisionistischen Bestrebungen von Bernhard Schaub. Seine private Meinung hielt mich nicht davon ab, seine Texte zu publizieren. Dies mag für einige unverständlich und erträglich sein, aber einen Menschen wegen seiner Ansichten und Meinungen von Grund auf zu verurteilen oder zu „schneiden“, lehne ich schon aufgrund der in meiner Jugend zu DDR-Zeiten gemachten Erfahrungen ab.
Zum Thema Holocaustleugnung und Holocaustleugner abschließend noch dies: Die von mir im Collegium Humanum durchgeführten Tagungen, die überwiegend religionsphilosophischen, mythologischen und geschichtlichen Charakter hatten (im übrigen fast ausschließlich Geschichte vor dem 19. Jahrhundert; es waren im Laufe der Jahre über 50 Vorträge, die gehalten wurden, auf Wikipedia wird natürlich nur der über Alfred Rosenberg erwähnt, ich frage mich nur warum), wurden eingestellt, weil dort in zunehmendem Maße revisionistische Bestrebungen einschließlich des Holocausts aufkamen und bspw. der bekannte Horst Mahler immer präsenter und einflußreicher wurde. Deswegen trat ich auch 2003, zusammen mit weiteren Freunden wie Andreas Ferch, dem Autor des Alfred-Rosenberg-Artikels in „Ausbruch aus den Ideologien“, aus dem Verein Collegium Humanum aus. Ich zitiere aus der von mir formulierten und unterzeichneten Austrittserklärung vom 20. November 2003: „Doch vor allem seit der letzten außerordentlichen Sitzung hat die Vereinsarbeit eine Entwicklung genommen, welche sich nicht mehr mit unseren Vorstellungen deckt. Wir haben die Aufgabe des Vereins immer mehr in der ökologischen und der religiösen Richtung gesehen. Doch diese spielen in den letzten Jahren kaum noch eine Rolle, statt dessen beobachten wir eine zunehmende Hinwendung zum Revisionismus und eine Betrachtung des Nationalsozialismus, welche am ehesten mit ,Hitlerismus' umschrieben werden kann. ... Da wir die immer deutlicher werdende Tendenz, die der Verein Collegium Humanum nach außen hin zeigt (wir haben in der letzten Zeit des öfteren davor gewarnt), nicht mittragen und uns nicht der Verletzung o.g. Paragraphen (gemeint ist § 130, der u.a. das Leugnen des Holocaust unter Strafe stellt) schuldig machen wollen, sehen wir den einzigen Ausweg in dem erklärten Austritt."
Dies sagt wohl alles! Und da mittlerweile sämtliche Unterlagen des Collegium Humanum e.V. von der Staatsanwaltschaft im Zuge des Verbotes beschlagnahmt wurden, läßt sich die Existenz dieser Austrittserklärung sicher von staatlicher Seite belegen - denn nach Belegen schreien ja die Wikipedia-Autoren fortwährend.
Sympathien für Nationalsozialisten: Das ist ein rätselhafter Gedanke und Vorwurf, der wohl daher rührt, daß ich 2001 das Buch „Ausbruch aus den Ideologien“ publiziert und darin ein sehr kurzes Vorwort (nur das Vorwort wohlgemerkt!) geschrieben habe. In besagtem Buch ging es um Alfred Rosenberg, Rudolf Steiner und Julius Evola, im Vorwort schrieb ich u.a.: „Von Evola und Steiner kann nicht behauptet werden, daß sie Ideologen waren - zumindest im politischen Sinne. Rosenberg wird hier nicht in erster Linie als Politiker betrachtet, sondern - und das ist kaum bekannt - als religiös Suchender (mit eventuell zukunftsweisenden Gedanken in der heutigen Dogmenwelt), der sich allerdings der politischen Herausforderung seiner Zeit nicht verschloß.“ Wegen dieser zwei Sätze wird nun der Nationalsozialistensympathisant Sven Henkler geschaffen. Doch es steht explizit da, daß Rosenberg in Andreas Ferchs Aufsatz nicht als Politiker betrachtet wird. Warum ist es vielen so abwegig, daß ein Rosenberg trotz seines Wirkens im Nationalsozialismus ein religiös Suchender war? Er kann trotz allem ein religiöser Mensch gewesen sein, vielleicht ein zweifelhafter, aber auf seine Art religiös. Die Päpste der Inquisition werden doch heute auch nicht als gottlose Menschen bezeichnet, und ihnen wird auch nicht die religiöse Suche abgesprochen, obwohl sie Millionen Menschen als Ketzer verfolgen und hinrichten ließen. Dies als Vergleich und nicht als Entschuldigung.
Auch schrieb ich, daß Rosenberg eventuell zukunftsweisende Gedanken in der heutigen Dogmenwelt hatte. Dieses kleine unscheinbare Wort eventuell schrieb ich ganz bewußt in dem Vorwort, denn ich kann nicht sagen, ob er die zukunftsweisenden Gedanken wirklich hatte, denn ich habe Rosenbergs Buch „Der Mythus des 20. Jahrhunderts“ nie gelesen. Und schon aufgrund dieser Tatsache, daß ich Rosenbergs Buch nie gelesen habe, kann ich auch kein Rosenberg-Sympathisant sein (was ich natürlich nicht belegen kann, wie es auf Wikipedia immer wieder gefordert wird). Mir kann diese Sympathie auch schon von daher nicht unterstellt werden, da ich besagten Artikel überhaupt nicht geschrieben habe. Abgesehen davon handelte es sich bei diesem langen Aufsatz über Rosenberg um eine überarbeitete Magisterarbeit, also ursprünglich um eine religionswissenschaftliche Arbeit!
Dogmenwelt und Reinwaschung
Daß wir in einer Dogmenwelt leben, brauche und will ich hier nicht ausführen, das sollte jedem denkenden Menschen bewußt sein. Allein dieser Wikipedia-Artikel beweist dies, leider auf einer sehr niederen, nicht religiösen Ebene. Hier wird willkürlich in gut und böse eingeteilt (obgleich dies natürlich nicht so geschrieben wird, aber das Ergebnis, die Aussage des Artikels ist entscheidend): gut ist, wer nicht rechts oder noch schlimmer ist, böse ist, wer rechts oder rechtsextrem ist - und das personifizierte Böse ist der Holocaustleugner. Da dies in der öffentlichen Auffassung so ist, bezeichnet man also einen Menschen, den man noch nicht einmal kennt und gegen den man aus unerfindlichen Gründen trotzdem etwas hat, einfach als Holocaustleugner und stellt ihn somit ins soziale Abseits. Das ist eine Methode, die zu Zeiten der Inquisition, des Dritten Reiches und auch der DDR angewendet wurde: Behauptung aufstellen - Mensch verurteilen und gesellschaftlich kaltstellen.
Nun wurde in diversen Diskussionsbeiträgen auf Wikipedia geschrieben, man wolle mich durch verschiedene Änderungen des Artikels „reinwaschen“ oder als etwas anderes darstellen, als ich tatsächlich bin. Das ist Unsinn, denn gerade dieser Artikel stellt mich anders dar, als ich bin. Wenn schon ein Artikel über mich auf Wikipedia erscheint, dann soll er objektiv und neutral sein und das wiedergeben, was ich tatsächlich „veranstalte“ (dann würde er auch den Wikipedia-Richtlinien entsprechen, die immer wieder mißachtet wurden und werden). Es geht doch nicht darum, zu verheimlichen, daß ich zwei Bücher von Bernhard Schaub und eins von Werner Haverbeck (beide als Revisionisten bekannt) veröffentlicht habe (im übrigen sind dies drei von mittlerweile fast 40 veröffentlichten Büchern, um nur einmal das Verhältnis darzustellen). Zu den Beweggründen für die Veröffentlichung schrieb ich bereits weiter oben.
Erwähnt sei noch, daß ich das Buch „Reich Europa“ von Bernhard Schaub wegen des Inhaltes heute nicht mehr veröffentlichen würde. Damals war ich Anfang 20, und ich kann die Veröffentlichung rückblickend als Provokation bezeichnen. Mit den Jahren lernt man dazu, erweitert seinen Horizont und sieht die Welt ein wenig anders. (Die Autoren „meines“ Artikels sind vermutlich auch nicht viel älter als 20 Jahre.) Das ist aber auch das einzige Buch, dessen Veröffentlichung ich - wegen des Inhaltes - als Fehler betrachte. Hinter all den anderen Büchern stehe ich. Es ging und geht mir ausschließlich um Bücher und die darin behandelten Themen und nicht um private Ansichten der Autoren!
Die Erwähnung meines Namens im Verfassungsschutzbericht 2001 ist nicht schön und gilt hier als Relevanzkriterium für einen Artikel über mich. Nur sollte beachtet werden, wie nichtssagend dieser kurze Eintrag ist und wie wertungsfrei - im Gegensatz zu diesem Wikipedia-Artikel. Wie „uninteressant“ ich für diese Behörde bin, zeigt doch die Tatsache, daß ich dort nur sehr kurz erwähnt wurde und seitdem nie wieder in diesem Bericht auftauchte. Warum auch? Und auch an diesem Punkt kommen die Zweifel bezüglich der Objektivität und Neutralität und des Willens, die Wahrheit zu schreiben, des Artikels über mich bei Wikipedia auf: Es wird hier überhaupt nicht auf meine Arbeiten und mein Wirken in den letzten Jahren, genauer seit 2002, eingegangen. Warum? Weil es uninteressant ist, daß ich seit Jahren ausschließlich esoterische Literatur (Taoismus, Hinduismus, Buddhismus, Gnosis, Gralmythos etc.) verlege?
Sven Henkler, 26. November 2008